Book on demand ...                    zurück zur Startseite
gutes Preis-Leistungsverhältnis oder Nepp?

Weil mir immer wieder FreundInnen beim Plaudern erzählt haben, welche tollen Angebote es im Bereich "Book on demand" im Internet gäbe, habe ich auf einer der erwähnten Seiten recherchiert (sicherheitshalber oute ich die Firma nicht namentlich, aber Sie werden sie schon finden...;-):

Wir gehen einfach von dem Buch aus, das ich in der Beispielkalkulation (2007) beschrieben habe - also

Kommt bei meiner Kalkulation damals auf 1.440.- Euro (exkl. Steuern) - und bei mir ist Einscannen des Umschlagbildes dabei, wenn nötig. Die gemeinsame Auswahl mit dem Autor/der Autorin sowieso ... Und natürlich eine Bedarfsabklärung für die Auflage und dergleichen mehr.


Im "Preiskalkulator" der getesteten Book-on-demand-Seite sieht das folgendermaßen aus:

Basispreis: 318,10
Layout & Lektorat: 1.399,-
50 Bücher (bei 25-99 Stück je 6,08): 304,-

ergibt in Summe: 2.021,10 Euro exkl. Steuern lt. der Book-on-demand-Seite (da kommt noch der Versand aus Deutschland dazu, nehme ich an - und Pakete sind recht teuer, weil Bücher recht schwer sind...).

Ich denke, ich müsste dazu jetzt nichts mehr groß kommentieren. ;-)
Doch - genaugenommen sieht das Basis-Preis-Angebot (318,10) nett aus, aber dafür müssen Sie ein komplett gelayoutetes Buch liefern - Sie haben keine Beratung, kein Kern-Layout, kein Lektorat, keine Umschlaggestaltung, niemand scannt und bearbeitet die Umschlagbilder - Sie machen das Buch bei sich zu Hause im Computer, erstellen ein PDF und schicken es an den Book-on-demand-Verlag.

Die netten Marketingtipps der Book-on-demand-Seite sind das Gegenteil von gut - sie sind gut gemeint. Und Sie bezahlen die Marketingtipps, egal ob Sie dadurch auch nur ein Buch mehr verkaufen. Diese Beratung gibt es bei mir in einem Aufwischen beim Beratungsgespräch - und wenn Sie andere Ideen haben, rufen Sie eben zwischendurch an.

Die Frage, ob es Sinn hat, mit dem eigenen Buch auf einer Buchmesse (z.B. Frankfurt) vertreten zu sein, kann einE AutorIn selten selbst beantworten, dazu braucht es schon jemanden, der sich wirklich mit dem Werk auseinandersetzt und die derzeitige Nachfrage auf dem Markt beurteilen kann. Das sind wenige, vertrauen Sie mir. Wer es dennoch tut (beurteilen), tut es ja selten auf eigenes finanzielles Risiko.

Es werden Adressen von MeinungsmacherInnen in Aussicht gestellt, an die man das Buch empfehlen kann - österreichische? Denn was tun Sie mit deutschen Meinungsmachern, wenn Sie eine kleine Auflage in Österreich absetzen wollen? Sie tragen in jedem Fall das finanzielle Risiko, denn wenn der Book-on-demand-Verlag wie zu erwarten wenige Bücher an den Buchhandel liefert, haben Sie die Marketing-Maßnahmen längst bezahlt.

Und ein produktionstechnischer Hinweis - Sie bezahlen bei jedem Buch, das sie (obiges Beispiel) um 6,08 Euro (ex Steuern) bestellen, jedes Mal das Layout mit. Obwohl der Layout-Preis von 1.399,- schon recht stolz ist.
Bei mir bezahlen Sie das Layout bei der ersten Auflage - wenn Sie noch weitere Bücher brauchen (Nachdruck), bezahlen Sie mein Layout natürlich nicht mehr, das wurde ja schon bezahlt. Sie bezahlen den Nachdruck und einen marginalen Betrag für meinen nochmaligen Auftrag an die Druckerei, samt Abwicklung.
Würde das bei Book-on-demand auch so sein, könnten Sie die Bücher zu einem wesentlich geringeren Stückpreis beziehen.

Nachsatz Ende 2009

Es hat sich herausgestellt, dass die meisten AutorInnen bei Eigenfinanzierung eine Auflage zwischen 250 und 500 Stück beauftragen. Je höher die Stückzahl, desto günstiger das einzelne Buch. 

Es sollte sich halt ausgehen, mit den verkauften Büchern die Kosten hereinzubringen - also braucht es einen realistischen Verkaufspreis (inkl. 10 % MWSt, die dann auch ans Finanzamt abzuführen ist). Damit das Buch auch wirklich gekauft wird, sollten Sie in Buchhandlungen Preise vergleichbarer Bücher herausfinden und nicht wesentlich teurer sein. 

UND der "Einkaufspreis" (also was Sie für Layout und Druck bezahlen) muss genug Spielraum für den Buchhändler-Rabatt geben (üblicherweise 35 % von netto).
Oder Sie verkaufen über eine eigene Homepage (ohne Buchhandel), müssen dann aber auch genug Zeit haben, die Abwicklung zu machen. Rechnung schreiben, Buch versandfertig machen, zur Post gehen - per Nachnahme? - schon aufwändig.
Oder Sie verkaufen Ihr Buch bei eigenen Veranstaltungen - auch aufwändig, aber wenn der Bekanntenkreis groß genug ist, kann eine "zelebrierte" Lesung schon was haben - in einem extra dafür gemieteten Veranstaltungsraum oder einem netten Lokal ...